Heinrich Theodor v. Stiller
 
Heinrich Theodor v. Stiller (1765 - 1828)
Lebenslauf
 
1765 21. April: Geburt in Strehlen, Schlesien, als Sohn des königlich
preußischen Postmeisters Johann Christoph Stiller (1733 - 1792) und der Dorothea Wilhelmina Weinhold (1742 - 1805)
   
Preußischer Adler
   
1782 - 1789 Studium der evangelischen Theologie an der Universität Halle
an der Saale; Promotion
   
   
1790 - 1802 Feldprediger des königlich preußischen Infanterieregiments
v. Kleist und Garnisonsprediger in Prenzlow, Uckermark
1793 Veröffentlichung der Revolutionsschrift "An die Franken und ihre
Repräsentanten in Deutschland von einem freyen deutschen Biedermann" (Verfasserangabe: "H.T.")
   
   
1794 26. Januar: Heirat mit Susanne Christine Schotte (1767 - 1823); 6 Kinder
1802 - 1812 Pfarrer in Dittenheim bei Gunzenhausen, Bayern
1812 - 1818 Dekan und Schulinspektor für den Distrikt Heidenheim, Franken
   
   
1817 Veröffentlichung eines "Predigtbuchs zur häuslichen Erbauung"
1818 - 1819 Kreisschulrat in Ansbach
1819 -1828 Hofprediger, Dekan und Oberkonsistorialrat des ersten
Oberkonsistoriums der evangelischen Landeskirche in München
1826 (oder 1819?) Aufnahme in das Bayerische Herrenhaus als Vertreter
der evangelischen Landeskirche; Nobilitierung (persönlicher Adel)
1828 24. September: Tod in München
   

Heinrich Theodor war Mitglied der Freimaurer.



Sein größter Erfolg als Kirchenmann dürfte die Errichtung der ersten protestantischen Kirche in München, der Sankt-Matthäus-Kirche, gewesen sein. Allerdings hat Heinrich Theodor die Einweihung der Matthäuskirche, die 1833 erfolgte, nicht mehr erlebt.

Matthäuskirche

Neue Matthäuskirche (1955 eingeweiht)Erst 1801 erhielt der Weinbauer und Pferdehändler Michel aus Mannheim als erster Protestant das Bürgerrecht in München. Der bayerische Kurfürst Maximilian IV. mußte persönlich eingreifen, um Michel zu seinem Recht zu verhelfen.

Wenn man heute in München 60 evangelische Kirchen aufzählen kann, ist es kaum noch vorstellbar, wie schwierig der Bau der ersten evangelischen Kirche, der Matthäuskirche, einst gewesen ist. Am 5. August 1827 fand die Grundsteinlegung statt. Aber erst sechs Jahre später, am 25. August 1833, konnte das Gotteshaus in der Sonnenstraße - damals noch vor den Toren Münchens - in Anwesenheit des Königs eingeweiht werden.

Wenige Jahre nach der Jahrhundertfeier 1933 mußte die alte Matthäuskirche einem Willkürakt der nationalsozialistischen Machthaber weichen. Am 14. Juni 1938 schreckte eine Zeitungsnotiz im "Völkischen Beobachter" die gesamte evangelische Gemeinde auf: "Im Zuge des Neuausbaues der Hauptstadt der Bewegung ergibt sich die Notwendigkeit, die evangelische St.-Matthäus-Kirche in der Sonnenstraße abzubrechen." Am Dreieinigkeitstag 1938 nahm die Gemeinde mit einem Gottesdienst Abschied von ihrer Kirche. Bis Mitternacht sangen die Gemeindemitglieder vor der Kirche Choräle.

Am 28. November 1953 konnte der Grundstein zu einer neuen Matthäuskirche, jetzt am Sendlinger-Tor-Platz, gelegt werden. Am ersten Advent 1955 wurde das neue Gotteshaus eingeweiht.

Quelle: Claudius-Verlag, München

Aus einer Predigt Heinrich Theodor v. Stillers

In seiner Neujahrspredigt 1815 beschäftigte sich Heinrich Theodor nach den Befreiungskriegen wie folgt mit Kaiser Napoleon I. von Frankreich:

"[...] Der Mann, der nicht nur das Volk, an dessen Spitze er sich stellte, sondern die ganze Menschheit um ihre Hoffnungen betrog, die ehrwürdigsten Verfassungen umstürzte und über so viele Länder und Völker Verderben brachte, ist zwar des Thrones entsetzt und verbannt, aber noch ist dem Höllengeiste genug Freiheit übrig geblieben, um neue Entwürfe zum Verderben der Menschheit auszubrüten. [...] Die verderblichste Wurzel so vieler und so langer Übel, die Tyrannei eines Fremdlings, der mit dem königlichen Purpur sein gemeines, niedriges Herz nicht zudecken konnte, die Landplage umherziehender, alles verwüstender, unersättlicher Heerhaufen, viele Bedrückungen des Handels, die verabscheuungswürdigsten Einschränkungen der Druck- und Redefreiheit sind beseitigt. [...] Wir tragen keine fremden Fesseln mehr. [...] Waren nicht in dem verflossenen und dem vorhergehenden Jahre die Leistungen Gottes augenscheinlicher denn je? [...] Siehe, das ist Gottes Finger, das sind Leistungen dessen, der Zeit und Stunde ändert, Könige einsetzt und absetzt. [...]"

Taufkirche in Götterswickerhamm (Niederrhein) Rafael, Justitia, 1511